Sicher auf Polarlichtjagd im hohen Norden
Die meisten brenzligen Momente bei der Polarlichtjagd haben mit dem Himmel nichts zu tun. Es sind das Auto, das im Dunkeln am Straßenrand hält, der Fotograf mit Stativ auf der Fahrbahn und das Rentier hinter der nächsten Kurve. Mit ein paar Regeln stehen Sie entspannt im Schnee und können sich ganz auf das Licht konzentrieren.
Das größte Risiko: plötzlich anhalten
Polarlichter tauchen oft schlagartig auf. Ein grünes Band zieht über die Berge, und jeder im Auto will sofort raus. Genau in diesem Moment passieren die Fehler: Bremsen auf der E8 bei Tromsø, Aussteigen ohne Blick nach hinten, die Tür geht auf die Fahrbahn auf.
Halten Sie nur auf Parkbuchten, Rastplätzen, Wanderparkplätzen oder breiten Einfahrten. Die Seitenstreifen sind im Winter meist Schneewälle, und Lkw fahren auch um zwei Uhr nachts. Wenn Sie kurz am Rand stehen müssen, schalten Sie die Warnblinkanlage ein und tragen eine Warnweste. Liegt keine im Mietwagen, packen Sie eine von zu Hause ein.
Stativ und Kamera gehören nie auf den Asphalt. Wer fotografiert, schaut nach oben und hört im Wind kaum ein Auto kommen.
Autofahren in Lappland, Nordnorwegen und Island
Mietwagen sind im Winter mit Winterreifen ausgerüstet, in Nordskandinavien meist mit Spikes. Das gibt erstaunlich viel Halt, schützt aber nicht vor Blankeis unter frischem Schnee oder vor Spurrillen, die das Auto seitlich versetzen. Fahren Sie lieber etwas langsamer, als die Einheimischen es tun, und lassen Sie großen Abstand.
Rund um die Jahreswende herrscht nördlich des Polarkreises Polarnacht. In Tromsø bleibt die Sonne etwa zwei Monate lang unter dem Horizont, tagsüber gibt es nur ein paar Stunden blaues Dämmerlicht. Sie fahren also fast immer im Dunkeln, und Müdigkeit kommt früher als gedacht.
In Island ist der Wind das eigentliche Problem. Böen können eine Autotür aus der Hand reißen und auf offenen Strecken Fahrzeuge versetzen. Prüfen Sie vor jeder Fahrt den Straßenzustand auf umferdin.is und die Warnungen auf safetravel.is.
- Tank nie unter halb voll fahren, Tankstellen liegen abseits der Hauptstraßen weit auseinander.
- Eiskratzer, Schneebesen, Handschuhe und eine warme Decke im Auto lassen.
- Bei -25 °C leidet die Batterie: Viele Parkplätze in Finnland, Schweden und Norwegen haben Steckdosen für die Motorvorwärmung, nutzen Sie sie.
- Die Strecke vorher offline in der Karten-App speichern, abseits der Hauptstraßen gibt es Funklöcher.
Rentiere und Elche auf der Fahrbahn
In Finnisch-Lappland und Nordschweden laufen Rentiere frei herum, und sie haben keine Eile. Sie stehen gern mitten auf der Straße, oft in Gruppen. Wo eines ist, kommen meist weitere hinterher.
Elche sind seltener, aber gefährlicher, weil ein ausgewachsenes Tier über einen Pkw hinweg in die Windschutzscheibe fallen kann. Achten Sie auf die Warnschilder, nutzen Sie das Fernlicht, wenn kein Gegenverkehr kommt, und rechnen Sie besonders in der Dämmerung mit Tieren.
Einen Zusammenstoß mit einem Rentier oder Elch müssen Sie in Norwegen, Schweden und Finnland der Polizei melden, auch wenn das Tier weiterläuft. Notruf ist überall die 112.
Kälte: Was -25 °C mit dem Körper machen
In Abisko, Kiruna oder Inari sind in klaren Winternächten -20 bis -30 °C möglich. Klare Nächte sind gleichzeitig die guten Polarlichtnächte, Sie stehen also genau dann draußen, wenn es am kältesten ist. An der norwegischen Küste ist es milder, dafür ist der Wind feucht und kriecht durch jede Lücke.
Erfrierungen beginnen an Nase, Wangen, Ohrläppchen, Fingern und Zehen. Die Haut wird weiß und wachsartig, das Gefühl verschwindet. Schauen Sie sich in der Gruppe gegenseitig ins Gesicht. Betroffene Stellen nicht reiben, sondern langsam mit Körperwärme aufwärmen.
Unterkühlung schleicht sich an: erst starkes Zittern, dann Ungeschicklichkeit und Gleichgültigkeit. Wer aufhört zu zittern, ohne warm zu sein, muss sofort ins Auto oder ins Haus. Alkohol aus dem Flachmann fühlt sich warm an, entzieht dem Körper aber Wärme.
Auch Ihr Telefon friert. Bei starkem Frost fallen Akkus innerhalb von Minuten auf null. Tragen Sie das Handy in einer Innentasche und nehmen Sie eine Powerbank mit, denn ein leeres Telefon ist im Notfall kein Telefon. Was Sie anziehen sollten, steht ausführlich in unserem Ratgeber zur Kleidung.
Zugefrorene Seen, glatte Felsen, Lawinenhänge
Ein gefrorener See wirkt wie der perfekte Fotoplatz: freier Horizont, keine Bäume. Betreten Sie fremdes Eis trotzdem nur dort, wo Einheimische Wege, Loipen oder Schneemobilspuren angelegt haben. Schnee isoliert, darunter kann das Eis dünner sein als erwartet, und an Zu- und Abflüssen friert es oft gar nicht richtig.
An den Fjorden sind Felsen am Ufer vereist und glatt, die Gezeiten verändern die Uferlinie. Überzieh-Spikes für die Schuhe kosten wenig und verhindern die meisten Stürze. In den Lyngenalpen östlich von Tromsø sollten Sie nach Neuschnee nicht unter steilen Hängen parken.
Allein unterwegs: Sagen Sie Bescheid
Wenn Sie nachts allein losfahren, hinterlassen Sie in der Unterkunft oder bei Freunden, wohin Sie wollen und wann Sie zurück sein möchten. Das klingt übertrieben, bis das Auto bei -28 °C im Graben steckt und kein Netz da ist.
Eine Stirnlampe mit Rotlicht hilft, ohne Ihre Nachtsicht zu ruinieren. Lassen Sie den Motor nicht stundenlang im Stand laufen, wenn der Auspuff im Schnee steckt, Abgase können ins Auto ziehen.
Auch zu Hause: wenn halb Deutschland nach Norden schaut
Am 10. und 11. Mai 2024 und noch einmal am 10. und 11. Oktober 2024 wurden Polarlichter in ganz Deutschland fotografiert, auch in Bayern und bis in die Alpen. In beiden Nächten standen Menschen auf Deichen, Feldwegen und Autobahnbrücken. Die Regeln sind dieselben wie in Lappland: nicht auf der Landstraße anhalten, nicht am Fahrbahnrand fotografieren, und im Oktober auch an Bodenfrost auf Feldwegen denken.
Weniger warten heißt weniger frieren
Die meiste Zeit draußen verbringen Sie mit Warten. Je besser Sie planen, desto kürzer wird diese Zeit. Unter dem Polarlichtoval, also in Tromsø, Kiruna, Abisko, Rovaniemi oder Reykjavík, sind Polarlichter in fast jeder klaren, dunklen Nacht möglich. Es gibt keinen Grund, im Schneesturm loszufahren.
Prüfen Sie Wolken und Kp-Vorhersage, bevor Sie aufbrechen. Jede Ortsseite zeigt, welcher Kp-Wert dort nötig ist und in welche Richtung Sie schauen müssen. Wer vorher weiß, wo Norden über dem Fjord liegt, steht nicht suchend am Straßenrand.
Häufige Fragen
Ist es gefährlich, nachts allein Polarlichter zu suchen? Nicht, wenn Sie vorbereitet sind. Die echten Risiken sind Straßenverkehr, Kälte und Eis, nicht die Dunkelheit. Sagen Sie jemandem, wohin Sie fahren, nehmen Sie ein geladenes Telefon mit und bleiben Sie in der Nähe befahrener Straßen.
Darf ich mit meinem deutschen, österreichischen oder Schweizer Führerschein in Norwegen, Schweden, Finnland und Island fahren? Ja, ein internationaler Führerschein ist dafür nicht nötig. Prüfen Sie aber die Bedingungen Ihres Mietvertrags, manche Anbieter verlangen ein Mindestalter oder schließen bestimmte Straßen aus.
Wie kalt wird es wirklich? An der Küste bei Tromsø bewegen sich Winternächte oft um -5 bis -10 °C, im Landesinneren von Lappland und Nordschweden sind -20 bis -30 °C möglich. Der Wind lässt es deutlich kälter wirken.
Sind Polarlichter selbst gefährlich? Für Menschen am Boden nicht. Starke Sonnenstürme können GPS und Funk stören und Stromnetze belasten, aber das Leuchten am Himmel ist völlig harmlos.
Zuletzt geprüft am 16. Oktober 2026