Polarlichter in Island
Island liegt komplett unter dem Polarlichtoval, selbst in Reykjavík reicht bei klarem Himmel schon Kp 0 bis 1. Der Gegner ist nicht die fehlende Aktivität, sondern die Wolkendecke. Wer sie lesen lernt und beweglich bleibt, sieht das Polarlicht in Island erstaunlich oft.
Anreise aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Der internationale Flughafen Keflavík liegt rund 50 km südwestlich von Reykjavík. Direktflüge gibt es aus mehreren deutschen Städten, aus Zürich und aus Wien, manche davon nur saisonal. Die Flugzeit liegt bei etwa dreieinhalb bis vier Stunden, Island ist damit das schnellste Polarlicht-Ziel für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum.
Island hat das ganze Jahr UTC, im Winter sind Sie also eine Stunde hinter Mitteleuropa. Englisch spricht praktisch jeder. Bezahlt wird fast überall mit Karte, auch an Tankstellen, für die Sie allerdings Ihre PIN brauchen.
Reykjavík und Umgebung
Am Stadtrand von Reykjavík ist Polarlicht durchaus sichtbar, etwa am Leuchtturm Grótta auf Seltjarnarnes, wo die Stadtbeleuchtung hinter Ihnen bleibt. Für richtige Dunkelheit reichen 30 bis 45 Minuten Fahrt.
Der Klassiker ist der Nationalpark Þingvellir, gut 45 Minuten nordöstlich der Hauptstadt. Kaum künstliches Licht, dazu die Grabenbruchlandschaft zwischen den Kontinentalplatten als Vordergrund. Auch die Halbinsel Reykjanes rund um Keflavík ist dunkel genug, falls Sie in Flughafennähe übernachten.
Die Südküste
Entlang der Ringstraße zwischen Selfoss, Vík í Mýrdal und Höfn reihen sich die Motive: die Wasserfälle Seljalandsfoss und Skógafoss, der schwarze Strand bei Vík, die Gletscherlagune Jökulsárlón. Viele fahren die Südküste in mehreren Etappen und übernachten in Hütten oder auf Höfen, die ohnehin weit weg von jeder Stadt liegen.
Allerdings bekommt die Südküste viel Niederschlag ab, weil die Tiefs direkt vom Atlantik hereinziehen. Ist dort Regen angesagt und der Norden bleibt klar, lohnt sich manchmal eher ein Ortswechsel als eine weitere graue Nacht.
Snæfellsnes
Die Halbinsel Snæfellsnes, etwa zweieinhalb Stunden von Reykjavík, verdankt ihren Ruf dem Kirkjufell bei Grundarfjörður, dem wohl meistfotografierten Berg Islands. Unter dem Polarlicht ist er ein dankbares Motiv, in klaren Nächten aber auch ein Wald aus Stativen. Ruhiger ist es an der Südseite der Halbinsel bei Arnarstapi oder Búðir.
Snæfellsnes hat einen Vorteil, den viele übersehen: Die Halbinsel ragt weit nach Westen ins Meer, und das Wetter auf der Nord- und Südseite unterscheidet sich oft deutlich. Liegt über Grundarfjörður eine Wolkenbank, kann es auf der anderen Seite des Bergrückens klar sein. Die Straße über den Pass Fróðárheiði oder die Küstenstraße um die Spitze verbinden beide Seiten in weniger als einer Stunde. Übernachten Sie für Snæfellsnes mindestens zwei Nächte vor Ort, statt abends von Reykjavík hin- und zurückzufahren.
Der Norden: Akureyri und Mývatn
Wenn im Süden die Wolken hängen, ist der Nordosten oft die bessere Wahl. Akureyri erreichen Sie per Inlandsflug in rund 45 Minuten oder über die Ringstraße in etwa fünf Stunden. Rund um den See Mývatn ist das Klima kontinentaler, die Nächte sind kälter und häufiger klar.
Lavafelder wie Dimmuborgir, Pseudokrater und das Naturbad am Mývatn machen das Warten angenehm. Húsavík an der Nordküste und Egilsstaðir im Osten sind weitere gute Standorte. Im Hochwinter können die Pässe dorthin aber zeitweise gesperrt sein.
Autofahren im isländischen Winter
Mit dem Mietwagen sind Sie unabhängig, doch wer Winterstraßen aus den Alpen kennt, unterschätzt Island leicht. Das Problem ist weniger der Schnee als der Wind: Sturmböen reißen Autotüren auf und schieben Fahrzeuge auf Glatteis von der Fahrbahn. Prüfen Sie vor jeder Fahrt den Straßenzustand auf road.is und die Wind- und Wolkenvorhersage des Wetterdienstes auf vedur.is; safetravel.is bündelt die aktuellen Warnungen.
- Hochlandpisten (F-Straßen) sind im Winter gesperrt, auch für Allradfahrzeuge.
- Fahren abseits der Straße ist verboten und wird mit hohen Strafen geahndet.
- Halten Sie nie auf der Fahrbahn, um zu fotografieren. Fahren Sie auf einen Parkplatz oder eine Ausweichstelle.
- Öffnen Sie die Autotür bei Wind mit beiden Händen und parken Sie möglichst mit der Front in den Wind.
Wolken lesen statt nur den Kp verfolgen
Der isländische Wetterdienst veröffentlicht eine stündliche Bewölkungskarte für das ganze Land, dazu eine eigene Polarlicht-Vorhersage. Danach richten sich auch die Guides. Schauen Sie am Nachmittag, wo sich Lücken öffnen, und fahren Sie dorthin. Oft geht es nur um 50 oder 100 km.
Auf AuroraMeteo zeigt jede Ortsseite, etwa für Reykjavík, Vík oder Akureyri, die Wolkenvorhersage für die Nacht direkt neben der Polarlichtaktivität. In Island lohnt es sich, mehrere Orte nebeneinander zu vergleichen.
Wer nicht selbst fahren will, bucht in Reykjavík eine Polarlicht-Tour. Viele Anbieter starten am Abend und bieten eine kostenlose Wiederholung an, wenn sich nichts zeigt.
Reisezeit und Dunkelheit
Die Polarlichtsaison reicht von Ende August bis Mitte April. Im Juni gibt es keine richtige Nacht; nur auf der kleinen Insel Grímsey am Polarkreis steht die Sonne tatsächlich um Mitternacht über dem Horizont. Um die Wintersonnenwende ist es in Reykjavík nur gut vier Stunden hell.
September und Oktober sind mild, mit Temperaturen um null bis plus fünf Grad, und die Straßen sind meist gut befahrbar. Februar und März bringen mehr Tageslicht für Ausflüge und trotzdem lange Nächte. Dezember und Januar sind am dunkelsten, aber auch die stürmischsten Monate.
Typische Fehler bei der ersten Islandreise
Der häufigste Fehler ist ein zu enger Plan. Wer jeden Abend in einem anderen Ort gebucht hat, kann nicht dorthin fahren, wo es klar ist. Planen Sie lieber zwei feste Standorte, etwa Reykjavík und die Südküste oder Akureyri, und halten Sie die Abende frei.
Ebenso oft unterschätzt werden Entfernungen im Winter. Die Strecke von Reykjavík nach Jökulsárlón sieht auf der Karte nach einem Tagesausflug aus, es sind aber rund 370 km pro Richtung, bei Schneetreiben und wenigen Stunden Tageslicht. Und schließlich der Mond: Bei Vollmond ist das Polarlicht zwar sichtbar, wirkt aber blasser, dafür leuchtet die Landschaft auf Fotos schön mit. Wer vor allem schwache Bögen sehen will, legt die Reise in die Tage um Neumond.
Häufige Fragen
Kann man in Reykjavík Polarlichter sehen? Ja. Bei klarem Himmel reicht dort schon schwache Aktivität. Störend ist nur das Stadtlicht: Für einen ordentlichen Blick genügt Grótta oder der Stadtrand, für Fotos fahren Sie besser ein Stück hinaus.
Welcher Monat ist in Island am besten? Einen klaren Sieger gibt es nicht, entscheidend sind die Wolken. September, Oktober, Februar und März sind ein guter Kompromiss aus Dunkelheit, Wetter und Straßenverhältnissen.
Brauche ich in Island einen Allradwagen? Für die Ringstraße und Ausflüge rund um Reykjavík reicht im Winter meist ein normaler Wagen mit guten Winterreifen, solange Sie den Straßenzustand prüfen. Wer in den Norden oder auf Nebenstraßen will, fährt mit Allrad entspannter.
Um wie viel Uhr erscheint das Polarlicht? Häufig zwischen 22 und 2 Uhr Ortszeit, oft aber auch schon am frühen Abend. Bleiben Sie bei klarem Himmel ab Einbruch der Dunkelheit aufmerksam.
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Zuletzt geprüft am 22. Oktober 2026