Sonnenzyklus und Polarlichter: Wie lange hält die gute Phase an?
Das Maximum des aktuellen Sonnenzyklus fiel ungefähr auf Ende 2024. Die gute Nachricht für alle, die 2026 oder 2027 nach Norden fahren oder an der Nordsee auf ein Wunder hoffen: Nach dem Maximum ist vor dem Sturm. Gerade die abklingende Phase bringt regelmäßig kräftige Ereignisse.
Elf Jahre im Takt der Sonne
Die Sonne wechselt im Schnitt alle elf Jahre zwischen einer ruhigen und einer aktiven Phase. Im Minimum zeigt sie wochenlang kaum Flecken, im Maximum ist ihre Oberfläche übersät damit. Gezählt werden die Zyklen seit Mitte des 18. Jahrhunderts, der laufende trägt die Nummer 25 und begann Ende 2019.
Sonnenflecken sind Regionen mit stark verdrehtem Magnetfeld. Dort entstehen Flares und koronale Massenauswürfe, kurz CME. Trifft eine solche Plasmawolke mit passend ausgerichtetem Magnetfeld die Erde, bekommen wir die großen Polarlichtnächte, die man auch in Hamburg oder München nicht verpasst, wenn man rechtzeitig nach oben schaut.
Zyklus 25 fiel stärker aus als viele Prognosen von 2019 erwartet hatten. Das Maximum wurde für den Zeitraum um Ende 2024 bestimmt, genau festlegen lässt es sich immer erst im Rückblick über geglättete Monatswerte.
Was 2024 in Deutschland passiert ist
Zwei Nächte haben vielen Menschen in Mitteleuropa gezeigt, was ein aktiver Zyklus bedeutet. In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 2024 erreichte der Sturm die höchste Stufe G5, also Kp 9. Polarlichter wurden in ganz Deutschland fotografiert, von Sylt bis an den Alpenrand, ebenso in Österreich und der Schweiz.
Am 10. Oktober 2024 folgte der nächste starke Sturm. Wieder kamen Fotos aus Bayern, Baden-Württemberg und den Alpen, viele davon mit tiefem Rot, das mit bloßem Auge eher als blasser Schimmer zu sehen war. Für die meisten Betrachter war es das erste Polarlicht ihres Lebens, gesehen vom eigenen Balkon.
Solche Nächte sind selten. Für Nordbayern braucht es nach unseren Ortsdaten Kp 8; München, Wien und Zürich liegen selbst bei Kp 9 meist darunter. Aber sie häufen sich in den Jahren um das Maximum, und genau in diesem Fenster befinden wir uns noch.
Warum die abklingende Phase oft die beste ist
Viele glauben, nach dem Maximum gehe es sofort bergab. Das stimmt für die Zahl der Sonnenflecken, aber nicht unbedingt für die Polarlichter. Einige der stärksten Stürme der Geschichte fielen in die Jahre nach einem Maximum.
Dazu kommen koronale Löcher. In der abklingenden Phase wandern sie häufiger in Richtung Sonnenäquator und schicken schnelle Sonnenwindströme zur Erde. Weil sich die Sonne in rund 27 Tagen einmal dreht, kehren diese Ströme oft im selben Rhythmus wieder. Für Lappland und Nordnorwegen bedeutet das viele solide Nächte mit Kp 3 bis 5, auch ohne spektakuläre Eruption.
Für 2026 und 2027 heißt das: Starke Stürme bleiben wahrscheinlich, auch solche, die bis nach Norddeutschland reichen. Wann genau, kann niemand Monate im Voraus sagen.
Wie man den Zyklus misst
Grundlage ist die Sonnenfleckenrelativzahl, die seit dem 18. Jahrhundert fortlaufend erhoben wird. Weil die Monatswerte stark schwanken, rechnet man mit einem über 13 Monate geglätteten Mittel. Erst wenn dieses Mittel eindeutig fällt, steht fest, wann das Maximum war.
Für Polarlichtfreunde ist die Fleckenzahl allerdings nur ein grober Hinweis. Ein einziger großer Fleck mit komplizierter Magnetstruktur kann mehr bewirken als hundert kleine. Das hat der Mai 2024 gezeigt, als die Region AR 13664 mehrere CMEs kurz hintereinander zur Erde schickte.
Was Sie für die Reiseplanung daraus ableiten können
Für Tromsø, Abisko, Kiruna, Rovaniemi oder Reykjavík ist der Sonnenzyklus weniger wichtig, als viele denken. Diese Orte liegen unter dem Polaroval, dort gibt es auch im Minimum in fast jeder klaren, dunklen Nacht etwas zu sehen. Wichtiger sind Wolken, Mondphase und die Dunkelheit.
Anders sieht es aus, wenn Sie auf Polarlichter in Deutschland hoffen. Hier hängt alles an seltenen, starken Stürmen, und die sind in den Jahren rund um das Maximum deutlich häufiger. Wer an der Ostsee oder auf Sylt wohnt, sollte die nächsten zwei Winter also aufmerksam bleiben.
Ein praktischer Tipp: Buchen Sie eine Lapplandreise lieber für fünf oder sechs Nächte statt für zwei. Damit gleichen Sie schlechtes Wetter aus, und die Chance, eine aktive Phase zu erwischen, steigt deutlich.
- Ende September bis Mitte Oktober und Ende Februar bis Ende März: Tag-und-Nacht-Gleiche, statistisch etwas mehr geomagnetische Aktivität
- Januar in Abisko: im Schnitt die meisten Nächte mit Polarlicht im Jahr laut unseren Daten
- März in Kiruna: der Spitzenmonat, gut zu kombinieren mit Faschings- oder Semesterferien
Und nach 2027?
Das nächste Minimum wird ungefähr für die Zeit um 2030 erwartet. Dann werden Polarlichter über Deutschland zur echten Ausnahme, große Stürme sind aber auch im Minimum nicht ausgeschlossen. Ab etwa 2032 dürfte die Aktivität mit Zyklus 26 wieder ansteigen.
Im hohen Norden ändert sich wenig. Ein Winterurlaub in Lappland lohnt sich in jedem Jahr des Zyklus, nur die ganz großen Nächte mit Korona direkt über dem Kopf werden seltener. Wenn Sie sehen wollen, wie sich das über die Jahrzehnte verteilt, blättern Sie im Sturmarchiv: Dort steht jede Nacht mit Kp 5 oder mehr seit 1989.
Häufige Fragen
Ist 2026 noch ein gutes Jahr für Polarlichter? Ja. Der Zyklus klingt erst langsam ab, und schnelle Sonnenwindströme aus koronalen Löchern sorgen gerade jetzt für viele aktive Nächte. Auch der Winter 2026/27 verspricht viele aktive Nächte.
Kommt so etwas wie im Mai 2024 wieder? Ein G5-Sturm ist selten, vor Mai 2024 gab es den letzten im Oktober 2003. Ausgeschlossen ist eine Wiederholung in den nächsten Jahren nicht, vorhersagen lässt sie sich aber nur ein bis drei Tage im Voraus.
Wie erfahre ich rechtzeitig, wenn ein Sturm kommt? Die Kp-Vorhersage zeigt starke Ereignisse meist ein bis drei Tage nach dem Ausbruch auf der Sonne an. Prüfen Sie am Abend die Seite Heute Nacht und vergleichen Sie den erwarteten Kp-Wert mit dem, den Ihr Ort braucht.
Spielt der Sonnenzyklus in Tromsø eine Rolle? Kaum. Unter dem Oval sehen Sie auch in ruhigen Jahren regelmäßig Polarlichter. Der Zyklus entscheidet dort eher darüber, wie oft es richtig farbig und bewegt wird.
Zuletzt geprüft am 16. Oktober 2026