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Polarlichter in Nordnorwegen

Von Bodø bis zum Nordkap liegt ganz Nordnorwegen unter dem Polarlichtoval. In Tromsø oder Alta steht das Polarlicht bei klarem Himmel schon bei Kp 1 bis 2 meist direkt über Ihnen. Die eigentliche Planung dreht sich um zwei Fragen: Küste oder Binnenland, und wie viele Nächte Sie haben.

Anreise aus dem deutschsprachigen Raum

Die meisten Verbindungen nach Nordnorwegen laufen über Oslo, seltener über Kopenhagen oder Stockholm. Im Winter gibt es aus einigen Städten in Deutschland und der Schweiz auch saisonale Direktflüge nach Tromsø. Für die Lofoten fliegen Sie nach Evenes (Harstad/Narvik), Svolvær oder Leknes, für die Finnmark nach Alta, Hammerfest oder Kirkenes.

Wer Zeit hat, nimmt das Postschiff Hurtigruten, das die Küste von Bergen bis Kirkenes abfährt. Norwegisch brauchen Sie kaum, Englisch funktioniert überall. Rechnen Sie aber mit einem Preisniveau für Restaurants und Ausflüge, das deutlich über dem in Deutschland oder Österreich liegt.

Tromsø: Hauptstadt der Polarlichtjagd

Tromsø liegt auf 69,6 Grad Nord, mitten im Oval. Laut der Ortsseite auf AuroraMeteo reicht hier Kp 0, und bei Kp 2 bis 3 ziehen die Bänder oft über den ganzen Himmel. Die Stadt selbst ist hell, aber schon die Brücke nach Kvaløya oder die Fahrt in den Ramfjord bringen Sie in die Dunkelheit.

Das Angebot ist das größte in Norwegen: Kleinbus-Touren, Fotoexkursionen, Hundeschlitten, Abende im samischen Lavvo mit Rentieren. Selbstfahrer haben oft die beste Chance Richtung Osten, in die Lyngenalpen oder bis Skibotn am Ende des Lyngenfjords. Skibotn liegt im Regenschatten der Berge und gilt als einer der trockensten Orte der Region.

Senja und die Lofoten

Senja, Norwegens zweitgrößte Insel, ist so etwas wie die Lofoten ohne Reisebusse: Steilwände über dem Meer, Fischerdörfer wie Mefjordvær, kaum Licht. Von Tromsø aus sind Sie je nach Route mit Fähre oder über Finnsnes zwei bis drei Stunden unterwegs.

Die Lofoten sind das Motiv schlechthin, mit Reine, Hamnøy und dem Strand von Uttakleiv. Sie liegen aber weit draußen im Nordatlantik, und das Wetter wechselt entsprechend schnell. Planen Sie hier mehr Nächte ein als in Tromsø und sehen Sie die Lofoten eher als Fotoreise mit Polarlicht-Chance denn als sichere Polarlicht-Reise.

Narvik, Alta und das Nordkap

Narvik am Ofotfjord ist über die Erzbahn mit Abisko und Kiruna verbunden. Wer Norwegen und Schweden kombinieren will, kann hier je nach Wetter die Seite wechseln: Ist die Küste zu, ist es hinter der Grenze oft klar.

Alta nennt sich Stadt des Nordlichts, und nicht ohne Grund. Um 1900 entstand auf dem Berg Haldde eines der ersten Polarlicht-Observatorien der Welt, heute ist die Nordlichtkathedrale das Wahrzeichen der Stadt. Alta liegt geschützt am Ende eines Fjords, das Wetter ist oft beständiger als in Tromsø.

Weiter östlich folgen Hammerfest, Honningsvåg und das Nordkap. Im Winter ist die letzte Strecke zum Nordkap nur im Kolonnenverkehr hinter dem Schneepflug befahrbar und bei Sturm gesperrt. Möglich ist der Ausflug, aber planen Sie einen Puffertag ein.

Küste oder Binnenland

Die Küste profitiert vom Golfstrom. In Tromsø liegt die Januartemperatur im Mittel nur wenige Grad unter null, dafür ziehen Tiefs mit Schnee und Regen durch. Auf der Finnmarksvidda um Kautokeino und Karasjok ist es deutlich trockener und klarer, aber minus 30 °C sind dort keine Ausnahme.

Für die Planung heißt das: An der Küste sind Sie beweglich und haben Ausweichrouten, im Binnenland sind die Chancen pro Nacht besser, verlangen aber Ausrüstung für echte Kälte. Viele kombinieren beides, etwa zwei Nächte Tromsø und zwei Nächte Alta oder Kautokeino.

Auf der Hochebene erleben Sie außerdem einen anderen Norden als an der Küste. Kautokeino und Karasjok sind Zentren samischer Kultur, mit Rentierzucht, eigenem Parlament in Karasjok und dem Ostermarkt in Kautokeino, zu dem viele Familien aus der Region zusammenkommen. Wer im Binnenland übernachtet, sollte Kleidung für echte Kälte dabeihaben und den Mietwagen über Nacht an die Motorvorwärmung anschließen, wo eine Steckdose vorhanden ist.

Spitzbergen: Polarlicht zur Mittagszeit

Longyearbyen auf Spitzbergen liegt auf 78 Grad Nord und damit nördlich des nächtlichen Ovals. Dafür herrscht von Mitte November bis Ende Januar Polarnacht, und das Polarlicht der Tagseite ist auch mittags zu sehen, etwas, das es auf dem Festland nicht gibt. Hier sind ruhige Tage oft die besseren; bei starken Stürmen wandert das Oval nach Süden, weg von Spitzbergen.

Außerhalb des Ortes dürfen Sie sich wegen der Eisbären nur mit Guide oder entsprechendem Schutz bewegen. Polarlicht-Ausflüge laufen deshalb fast immer über lokale Anbieter. Von April bis August scheint die Sonne rund um die Uhr.

Reisezeit: Polarnacht und Mitternachtssonne

In Tromsø geht die Sonne von Ende November bis Mitte Januar nicht auf. Stockdunkel ist es trotzdem nicht: Um die Mittagszeit gibt es einige Stunden blaues Dämmerlicht. Polarlicht ist dann schon ab dem Nachmittag möglich, am aktivsten ist es meist zwischen 22 und 1 Uhr. Von etwa 20. Mai bis 22. Juli scheint die Mitternachtssonne, von Mitte April bis Mitte August wird es nachts nie dunkel genug.

Die Saison reicht also von Anfang September bis Anfang April. Ein guter Tipp sind die Herbstferien im Oktober: Fjorde ohne Eis, Spiegelungen, milde Temperaturen. Weihnachten bis Neujahr ist Hochsaison. Im Februar und März sind die Tage wieder länger, ideal für Ausflüge am Tag und Polarlicht am Abend.

Selbst fahren oder Tour buchen

Nordnorwegens Straßen sind im Winter gut geräumt, aber oft komplett vereist, und auf schmalen Fjordstraßen ohne Leitplanke ist Erfahrung gefragt. Mietwagen haben Spike- oder gute Winterreifen. Halten Sie zum Fotografieren nie auf der Fahrbahn und auch nicht in lawinengefährdeten Bereichen, die entlang mancher Fjorde ausgeschildert sind.

Wer nicht selbst fahren will, ist in Tromsø mit einer Kleingruppen-Tour gut beraten. Gute Anbieter entscheiden erst am Nachmittag anhand der Wolkenkarten, wohin es geht, und fahren notfalls mehrere Stunden bis an die finnische Grenze. Fragen Sie vor der Buchung nach der Gruppengröße und danach, ob warme Overalls inklusive sind. In Alta, Senja und auf den Lofoten ist das Angebot kleiner, dort lohnt sich ein Mietwagen eher.

Häufige Fragen

Welchen Kp-Wert brauche ich in Tromsø? Praktisch keinen. Bei klarem Himmel steht das Polarlicht dort auch bei Kp 0 bis 1 häufig am Himmel, ab Kp 3 wird es hell und bewegt. Wichtiger ist die Wolkenvorhersage.

Lofoten oder Tromsø? Für die erste Reise und die besten Chancen Tromsø, weil Sie von dort ins trockenere Binnenland ausweichen können. Für Fotografen mit einer Woche Zeit die Lofoten oder Senja.

Wie kalt wird es? An der Küste meist zwischen minus 2 und minus 10 °C, mit Wind gefühlt deutlich kälter. Im Binnenland der Finnmark sind minus 20 bis minus 30 °C im Januar normal.

Sieht man Polarlichter auch in Oslo? Gelegentlich, bei mittleren Stürmen. Oslo braucht laut der Ortsseite etwa Kp 3, außerhalb der Stadt etwas weniger. Mit Stadtlicht und häufigen Wolken bleibt es aber eine Ausnahme.

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Zuletzt geprüft am 22. Oktober 2026